Michael Scherr und Philip Stegemann sind die Drift-Heros 2011

0

IDS Finals und European Drifting Championship begeistern die Massen in der Müllenbachschleife des Nürburgrings

Dass es eng in der IDS Meisterschaft beim European Drifting Championship werden könnte, war so manchem klar. Aber dass dieses Wochenende neben kaum zu übertreffender Spannung auch einige Überraschungen hervor brachte, war nicht zu erahnen und erfreut die Organisatoren der IDS ebenso wie der überwältigende Zuspruch zum Driftsport von mehreren tausend Zuschauern.

Mit Rekordbeteiligung haben sich 80 Fahrer in der Müllenbachschleife des Nürburgrings am ersten Oktoberwochenende eingefunden. Drei strahlende Sonnentage lang präsentierte sich der Nürburgring den allein für die Europameisterschaft gemeldeten 54 Fahrer aus mehr als 11 Nationen von seinen besten Seiten, so dass die wettertechnischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Veranstaltung gesetzt waren.

Dank des Engagement und der Unterstützung der Nürburgring Automotive GmbH hatten die Teilnehmer drei volle Tage „tracktime“, so dass auch die ausländischen Fahrer die Chance hatten, sich an den schnellen Kurs durch das Schumacher-S und der anschließenden Kurzanbindung „klein Monaco“ in die Fordkurve gewöhnen zu können. Für manch Fahrer war das eine ganz besondere Herausforderung; hat man doch in der internationalen Driftszene selten eine so herausfordernde Driftstrecke wie der Nürburgring, bei der man die Drifts bei Geschwindigkeiten bis über 200km/h auslösen und das Schumacher-S mit ca. 170km/h durchdriften kann. Die besten ihres Faches sollten dies auch schon bereits am Freitag im freien Training unter Beweis stellen und demonstrieren können.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Qualifikation. Die besten 16 Fahrer (Top16) aus der PRO-Serie und die besten 32 Fahrer (Top32) für die Europameisterschaft mussten im Einzeldrift gefunden werden. Bewertet von gleich vier international bekannten und erfahrenen Judges (Faruk Kugay, Pl, David Kalas, CZ, Peter Basti, CZ und Axel Mack, D) konnte man von einer ausgewogenen und fairen Bewertung ausgehen, die nachwievor per Augenschein von den Judges vorgenommen wird.

Die erste Überraschung der Veranstaltung gelang Joe Hountondji, der wie Phönix aus der Asche mit seinem Driftmonster den ersten Platz in der Qualifikation erzielen konnte. Gebeutelt von etlichen Rückschlägen durch technische Probleme und nicht zuletzt einen Totalschaden zu Beginn der Saison freute sich Joe besonders über diesen Qualifikationserfolg. Konnte er doch damit seine kfz-technischen und fahrerischen Qualitäten nun endlich unter Beweis stellen und sich damit auch bei den vielen Helfern bedanken, die ihm den Wiederaufbau des Autos ermöglicht hatten. Gleichzeitig empfahl er sich damit als Favorit für den Tagessieg sowohl in der PRO-Klasse, als auch in der Europameisterschaft.

Schockiert waren der Titelaspirant Michael Scherr und sein Teamkollege Harald Müller beide vom Nissan/Alutec Drift-Team. Beide hatten vor allem an Michaels Nissan Z300 mit technischen Problemen zu kämpfen, so dass sie zum Qualifying einfach nur antreten aber nicht richtig driften konnten und somit mit jeweils null Punkten sich ans Ende der Qualifikationsliste eintrugen. Somit war die Chance vertan im Finale nochmal in das Endergebnis eingreifen zu können und es war klar, dass man aus dieser Veranstaltung mit Minimalpunkten gehen würde und man offensichtlich die Meisterschaft an den Nagel hängen kann. Somit war die Entscheidung, ob man den IDS Titel nun holen kann oder nicht allein vom Abschneiden von Michaels Verfolger, Christian Kögler abhängig, der das Qualifying als Dritter abschloss und somit die besten Voraussetzungen für ein gutes Endergebnis hatte. Alle Ergebnisse des Qualifyings findet man hier.

Am Sonntag sollte also nun die Entscheidung im 7. IDS Lauf fallen. Nach einem kurzen Aufwärmtraining traten dann die besten 16 PRO-Fahrer, inklusive der eingeladenen Gastfahrer gegeneinander an. Die ersten drei besten Qualifizierten, Joe Hountondji, Markus Militzer und Christian Kögler konnten auch Ihre ersten Battles gewinnen und kamen somit eine Runde weiter. Christian musste im Finale mindestens Platz drei erzielen, um den IDS Champion Titel noch zu gewinnen. Trotz des Nullers hatte sich nämlich Michael Scherr nach Wegstreichen der Gastfahrer noch 2 Punkte für den 16. Platz gesichert. Christian musste also nun 15 Punkte einholen und das bedeutete Platz drei mit 16 Punkten.

Für ihn war allerdings im Battle gegen den Österreicher Alois Pamper Schluss. Eine Kollision mit der Bande gleich im ersten Battle brachte ihm null Punkte ein und auch mit dem zweiten Battle konnte Christian das Ruder nicht mehr herum reißen. Er verlor seinen Battle und belegte somit Platz 6. Auch nach Abzug der Gastfahrer platzierte Christian sich auf Platz 4 und somit war klar, dass der IDS Champion 2011 Michael Scherr heißt und Christian sich mit dem Vizemeistertitel begnügen muss.

Alois, AT kämpfte sich sogar mit seinen gerade mal 260 PS starken BMW noch bis ins Finale vor und traf dort auf Gymkhana-King, Oliver Harsch. Die beiden bestplatzierten Joe und Markus trafen im kleinen Finale um Platz 3 aufeinander, nachdem sie beide Ihre Battles gegen Alois und Oliver verloren. Oliver Harsch konnte den Tagessieg des sympathischen, österreichischen Meisters 2011 auf Deutschem Terrain noch verhindern und sicherte sich den Sieg, den er sichtlich genoss und zelebrierte. Joe gewann das kleine Finale und war mit Platz 3 ebenfalls sehr zufrieden und konnte somit einen versöhnlichen Saisonabschluss finden.

Eine nicht ganz so enge Angelegenheit war es für Markus Müller, sich den Titel des IDS Street Champion 2011 zu sichern. Man war lediglich erstaunt, dass er nach einem Missgeschick in Monza, welches gerade mal 14 Tage zuvor passierte, das Auto wieder im fahrbereiten Zustand war und er somit antreten konnte. Er absolvierte wiederum eine souveräne Veranstaltung und schloss mit dem 2. Platz ab, womit er mit 20 Punkten Vorsprung klarer Champion wurde und sich somit schon einmal für die PRO Klasse im nächsten Jahr empfehlen konnte. Mit entsprechender motorisierter Ausstattung ist Markus auch ein Kandidat, um den PRO-Titel sicher mitzukämpfen.

Platz 1 belegte Dimitri Lust und Platz 3, Matthias Dietz. Beide konnten somit nochmal am Ende ordentlich Punkte sammeln, so dass sie auch in der Endabrechnung vorderer Plätze belegten sollten. Dimitri konnte zwar nicht mehr Hans-Jürgen Reiss von seinem 2. Platz verdrängen aber wer hätte zu Beginn der Saison erwarten könnten, dass sich Dimitri und auch sein Teamkollege, Jörg Stoll mit dem 4. Platz in der Gesamtwertung soweit vorne in der Street-Klasse als Neueinsteiger platzieren würden.

Zum großen Finale wurden auch die Top32 TwinBattles der European Drifting Championship. Die besten Fahrer waren gekommen, um sich dem Wettkampf zu stellen. Mit Yves Faber, LU, Michu Sahli und Benno Frieden beide aus der Schweiz und vor allem Juha Rintanen aus Finnland kamen Drifter, die bereits schon in den letzten Jahren entscheidend die Wertung beeinflusst haben.

Gleich zu Beginn der EM musste ein Re-Run zwischen Joe Hountondji und Philippe Guillod entscheiden. Für den Erstqualifizierten Joe sollte dieser Re-Run eine bittere Niederlage werden, da er gegen den 32. Platzierten aber absolut ebenwürdigen Philippe aus der Schweiz schwer zu kämpfen hatte und am Ende er Philippe ziehen lassen musste und Joe im Endergebnis auf Platz 32 zurück viel.

Insgesamt schlugen sich die IDS-Fahrer im großen internationalen Feld sehr gut und im Viertelfinale waren noch 5 IDS bzw. ehemalige IDS-Fahrer von 8 Fahrern vorhanden. Man konnte also gespannt sein, wie sich die IDS Fahrer am Ende schlagen würden.

Juha Rintanen, FI und Philip Stegemann, D standen am Ende im Finale, nachdem sich Benno Frieden, CH gegen Juha und Todor Dunev, BG gegen Philip geschlagen geben mussten. Das kleine Finale um Platz 3 war sehr schnell entschieden. Todor hatte sich wohl im VorBattle gegen Philip einen Schaden an der Lenkung zugezogen, der im anschließenden Battle gegen Benno nicht mehr zu reparieren war. Somit ging der 3. Platz kampflos an Benno Frieden, der damit seinen Erfolg aus dem Vorjahr 2010 wiederholen konnte.

Juha hatte bereits im Halbfinale mit erheblichen technischen Problemen zu kämpfen. Sein Turbolader, der den finnischen Driftboliden über 600 PS schenken sollte, wollte nicht so recht laufen, so dass er aus technischen Gründen mehrmals von seinen 5 Minuten Reparaturpause Gebraucht machen musste. Im Finale gegen Philip Stegemann musste also nun alles funktionieren, um Juhas Favoritenrolle gerecht zu werden und den Sieg nach Hause zu fahren.

Juha rechnete aber nicht mit dem total coolen und abgebrühten Philip Stegemann, D, der sein Glück, im Finale zu stehen, noch gar nicht so recht glauben konnte, sich aber auch nicht sehr darum sorgte, sondern sich unbekümmert auf das Finale vorbereitete. Auch den kleinen Rückstand von 2 Punkten nach dem ersten Lauf, bereitete Philip keine Sorgen, hatte er doch mit dem zum jetzigen Zeitpunkt feststehenden Ergebnis nie gerechnet. Doch dann gelang Philip, wohl gerade wegen seiner Gelassenheit, einen Husarenritt und er brachte den Finnen so stark in Bedrängnis, so dass der Finne sich mit einer 7:3 Wertung und somit einem Punktevorsprung für Philip geschlagen geben musste.

Philip Stegemann von MPS Engineering sollte also nun der neue IDS European Drifting Champion heißen. Neben dem Wertgutschein i.H.v. 1000,- € von der Firma RaidHP konnte sich Philip über reichlich Öl von Meguin und einigen weiteren Sachpreisen freuen. Wohl für alle zur Überraschung aber umso erfreulicher genoss Philip seinen Sieg in allen Zügen und vor allem die Standing Ovations, die ihm seine Driftkollegen bei der anschließenden Siegerehrung schenkten.

Mit den neuen Meistern, Markus Müller (Street), Michael Scherr (PRO) und Philip Stegemann standen gleich drei deutsche Fahrer jeweils auf dem obersten Treppchen und beendeten somit eine sehr erfolgreiche und erfreuliche IDS Saison 2012.

Die Organisatoren bedanken sich bei allen Partnern, Sponsoren und vor allem bei den Fahrer, die es ermöglicht haben, einen weiteren Schritt in der Entwicklung des Driftsports in Deutschland und Europa machen zu können. Das Finale und die European Drifting Championship mit ihren tollen Fahrern und vor allem dem enormen Zuspruch von Zuschauern sind der adäquate Beweis dafür, dass die Mühen der letzten Monate nun Früchte getragen haben und man sich auf die kommende Saison 2012 freuen darf, die sicherlich wieder sowohl veranstaltungsspezifisch als auch sportlich einige Überraschungen mit sich bringen wird.

Doch nach dem Rennen ist vor dem Rennen und so sind bereits die Vorbereitungen für 2012 im vollen Gange, so dass kaum Luft zum Durchatmen sein wird. Neue Anregungen und Eindrücke wird man nun beim Besuch der Formula D, USA bekommen. Vielleicht lassen sich die neu geknüpften Kontakte ebenfalls für einige Überraschungen nutzen; man wird sehen.

In diesem Sinne „drift“ man sich sicherlich wieder in 2012.

Fotos: Lisa Linke, Fabian Linder

Weitere Bilder zu sehen auf Facebook hier.

Share.

About Author

Leave A Reply