DTM-Driftival vereint Driften Taxi und Meisterschaft

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5. IDS Lauf im Rahmen der DTM hatte einige Überraschungen zu bieten

Ein Driftwochenende der ganz besonderen Art durften die Drifter und Organisatoren der Internationalen Drift Serie – IDS erleben. Gemäß den Planungen stand der Driftparcour der Nürburgring Müllenbachschleife im Rahmen der Deutschen Tourenwagen-Masters – DTM zur Verfügung. Die drei Buchstaben können jedoch seit dem letzten Wochenende für die Begriffe „Driften“, „Taxifahren“ und „Meisterschaft“ stehen.

Aufgrund von sicherheitsrelevanten Aspekten, die sich aus der Parallelveranstaltung der DTM und der IDS ergaben hat, man sich in Abstimmung mit dem DMSB kurzfristig entschieden, die Driftstrecke entgegen der normalen Rennrichtung der Müllenbachschleife zu verlegen. Somit war jedoch der Startbereich oberhalb des Schumacher-S positioniert und die IDS-Drifter waren mit der Herausforderung konfrontiert, erstmals in der noch jungen IDS-Geschichte, einem Berg hinab zu driften.

Nach einer zusätzlichen Absicherung der Strecke, wurden somit die ersten Gehversuche verständlicherweise etwas vorsichtiger unternommen. Erstaunlicherweise kamen sowohl die Streetfahrer als auch die PRO-Fahrer mit der neuen Streckenkonstellation bestens zurecht und im Verlaufe des gesamten Wochenendes waren keine nennenswerten Zwischenfälle zu vermelden.

Im Gegenteil war festzustellen, dass durch die höheren Anforderungen, das Leistungsniveau der IDS-Drifter innerhalb kürzester Zeit gesteigert werden konnte und alle Fahrer am Ende der Veranstaltung doch sehr glücklich über die Streckenvariante und ihre fahrerischen Leistungssteigerung waren.

Besonders die ausländischen Fahrer der IDS, die schon vieles von dem schnellen Driftparcour der Müllenbachschleife gehört hatten, waren zusätzlich von der neuen Streckenvariante beeindruckt. Ist man doch beispielsweise in Dänemark eher Parkflächen, die gerade mal den 2. Gangdrift erlauben, gewöhnt, so standen die angereisten 4 dänischen Driftkollegen diesmal auf einer der schnellsten Driftstrecken Europas und gleichzeitig Austragungsort der Europäischen Driftmeisterschaft.

Weitere Sorgen bereitete wiedermal das Wetter. Nach den regennassen Erfahrungen aus der Lausitz mit vier Tagen Dauerregen, befürchtete man schon eine Wiederholung. Aber bereits der erste Trainingstag am Freitag machte den bekannten unzuverlässigen Wettervorhersagen in der Eifel wieder alle Ehre: 90% Regenwahrscheinlichkeit in der Vorhersage sollte am ersten Tag trockene Drifstrecke bedeuten. Dies war sehr zur Freude der Drifter, konnten sie sich somit besser auf die neue Streckenführung einstellen, so dass die gelegentlichen Schauer am Qualifikationssamstag wenig Einfluss auf den Veranstaltungsablauf nahmen.

Auch ließen sich sehr viele Driftaxigäste nicht die Gelegenheit nehmen, endlich ihre bei Jochen Schweizer oder Maydays erworbene Drifttaxifahrt einzulösen und somit einem besonderen Fahrerlebnis neben der DTM beizuwohnen und zu „erfahren“. Insgesamt wurden 130 Drifttaxigäste befördert. Das war absoluter Taxigast-Rekord der IDS. Alle Beifahrer waren von den Driftkünsten begeistert und verließen das Taxi mit einem breiten zufriedenen Grinsen im Gesicht, welches wohl ohne Gesichtsmassage den ganzen Tag noch anhielt.

Für die Streetklasse war dieses Wochenende sicherlich besonders wertvoll, da sie die gleiche Strecke wie die PRO-Fahrer zur Verfügung hatten und somit mit dem gleichen Schwierigkeitsgrad, bei in der Regel weniger Motorleistung, zu kämpfen hatten. Getreu dem Motto „was nicht tötet, härtet ab“ waren die Street-Drifter am Ende ebenso schmerzfrei und platzierten ihre Drifts in ähnlicher Präzision wie die PRO Fahrer.

Am besten gelang es diesmal Ronny Thimmig, der schon mehrfach seine vorhandenen PRO-Qualitäten unter Beweis stellte und dies mit dem ersten Platz in der Street-Klasse nochmals unterstrich.

Dass Sara nicht nur im Drifttauto eine gute Figur ablieferte, war spätestens bei der Siegerehrung der Streetklasse jedem bekannt. Ihre Driftkurven katapultierte die junge Dänin auf Platz 2 in der Streetklasse. Dies war umso überraschender für sie, da sie erst seit ca. 8 Monaten in das Driftlenkrad greift und mit einer solchen guten Platzierung nicht gerechnet hatte.

Mindestens genauso überrascht war der Drift-Pirat Matthias Diez von seinem dritten Platz. Bisher eher im Mittelfeld platziert, nutzte er die Herausforderung am besten und bewies somit die besten Anpassungsfähigkeiten, gepaart mit unerschrockenen Driftmanövern.

Natürlich wurden die guten Platzierungen im Fahrerlager entsprechend gefeiert. Und wer sich der ausgelassenen Stimmung im Fahrerlager oder im angrenzenden Eifelstadel nicht anpassen konnte, der wurde erst einmal auf dänischer Drifterart auf Partystimmung gebracht – wenn auch etwas ungewollt.

Nach letzten Einstell-, Warmup- und weiteren Taxifahrten am frühen Sonntagmorgen, stand das Finale der PRO-Drifter auf dem Programm. Zum Glück spielte das Wetter nun auch endlich mit, so dass unter trockenen Bedingungen gefahren werden konnte.

Nach durchweg spannenden und knappen TwinBattle-Entscheidungen standen die letzten 4 Finalisten fest und es ging um den Einzug ins große Finale. Dort standen sich Niels Becker, DK und Joe Hountondji, D gegenüber, der zuvor den in der Qualifikation drittplatzierten Philippe Guillod, CH vom Driftteam Switzerland mit nur einem Punkt Vorspruch schlagen konnte.

Niels hatte es gegen Christian Kögler, D aufzunehmen und gewann, wenn auch nur knapp. Christian hatte mit Getriebeproblemen zu kämpfen und verlor am Vortag den dritten Gang. In einer seinesgleichen suchenden Nachtaktion wurde innerhalb von nur 8 Stunden, der dritte Gang schleiftechnisch entfernt und das Getriebe wieder montiert. Mit einem Gang weniger ausgestattet, schaffte es Christian Kögler nichtsdestotrotz, seinen ersten Battle zu gewinnen und immerhin noch die Punkte für den 6. Platz mit nach Hause zu nehmen.

Tobias Welti, CH von Speed-Industries hatte es mit dem im Moment Gesamtführenden Michael Scherr zu tun. Tobias konnte sich gegen das Driftmonster von Alex Gräff durchsetzen, welches dieses Mal mit wenigen technischen Problemen zu kämpfen hatte und sich prompt auf Platz 4 im Qualifying platzierte.

Michael Scherr setzte sich gegen Markus Militzer durch, der nach langer Neuaufbaupause wieder in das Driftsaisongeschehen eingreifen konnte und unter Beweis stellte, dass er nichts von seiner Klasse verloren hatte.

Niels war schwer zu schlagen. Wenn er auch im Training und Qualifying mit allen möglichen Problemen zu kämpfen hatte, so war er und sein Auto im TwinBattle-Finale top fit und so hatte auch Joe das Nachsehen und musste nach sehr knapper Entscheidung, Niels letztendlich ziehen lassen.

Michael Scherr musste sich gegen Tobias geschlagen geben und traf somit im kleinen Finale auf Joe, welches er erst nach einem Re-Run für sich entscheiden konnte.

Das Finale sollte nochmal um einiges spannender werden: Motiviert von den Zuschauern und entsprechend gefordert, ließen sich die beiden Judges, Faruk Kugay und Andy Jaenen zu zwei Re-Runs hinreisen und konnten sich erst nach dem insgesamt 5. Lauf auf ein Ergebnis einigen.

Sehr zur Freude von Tobias Welti, CH und ein wenig unterstützt von technischen Problemen bei Niels Auto, entschieden sie sich für den Team-Manager von Speed-Industries und bescherten Tobias seinen ersten Sieg in dieser Saison 2011.

In der anschließenden Fahrerparade wurden, nachdem man sich mit einem kräftigen Schluck Sekt abkühlen konnte, die letzten Reifenreserven dem jubelten Zuschauern geopfert.

Ein sehr aufregendes und erfolgreiches Wochenende ging zu Ende mit vielen fröhlichen Gesichtern. Nicht nur bei den Fahrern, auch die Organisatoren waren letztendlich mit dem Ablauf der Veranstaltung sehr zufrieden und hoffen auf eine Wiederholung des Termins, zumal zu erkennen war, welche Potentiale in der Veranstaltung im Rahmen der DTM noch schlummern.

Fotos von Fabian Linder und Lisa Linke gibt es in Facebook: Teil 1 und Teil 2

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